The Beauty of Studio Ghibli
Ästhetik, Tränen, Female Power und Unvergesslichkeit
2023 unterbrach das erste Mal ein japanischer Film die Erfolgskette der Disney-Filme und räumte in der Kategorie der besten Animationsfilme sowohl einen Golden Globe, als auch einen Oscar ab. Der Film um den es sich dabei handelte ist Der Junge und der Reiher (original Titel 君たちはどう生きるか, Kimitachi wa Dō Ikiru ka) aus dem Konzern von Studio Ghibli und vermutlich der letzte Film von Grüdnungsmitglied und Ikone des Labels Hayao Miiyasaki.
Studio Ghibli hatte sich damit in der Welt bewiesen, wobei seine Existenz schon lange hohe Wellen geschlagen hat – im Positiven. Studio Ghibli ist ein Nostalgiegefühl, eine Hommage an das Leben, eine Schönheit in japanischer Zeichenkunst und eine Ästhetik und Kunstgestaltung die seines Gleichen sucht. Seit 1986 bringt das Animationsstudio japanische Zeichenfilme auf die Leinwand. Dabei sollten diese nicht mit den aus Japan bekannten Animes verwechselt werden. Zwar gliedern sie sich unter dieser Überschrift mit ein – sind aber etwas ganz anderes, als was man von den herkömmlichen japanischen Serien und Filmen der Anime-Scene gewohnt ist. So sorgte einer der Filme von Studio Ghibli selbst für den Anime-Boom der 2000er Jahre, welcher bis heute anhält und sogar weiter am Steigen ist. Mit 24 Filmen stellt das Studio eine Erfolgsgeschichte da, von denen die meisten weltweite Beliebtheit feiern. Die bekanntesten sind dabei Kikis kleiner Lieferservice (1989), Prinzessin Mononoke (1997), Chihiros Reise ins Zauberland (2001) und Das wandelnde Schloss (2004). Der wohl bekannteste Film mit denen der Durchbruch anfing und welcher bis heute das Maskottchen und Markenlogo von Studio Ghibli darstellt, ist der Film Mein Nachbar Totoro von 1988.
Ebenso bekannt wie die Filme, ist der Name der hinter all ihnen steht - Hayao Miiyasaki. Er ist nicht nur einer der drei Gründungsmitglieder, sondern auch Drehbuchautor, Produzent und insbesondere der Zeichner und Grafiker hinter der Schönheit der Filme. Miiyasaki ist dabei schon mehrmals für seine Kunst und Genie, seine Feinfühligkeit und Kreativität, sowie tiefe Botschaften und Komplexität der Filme gerühmt und geehrt worden. Er steht als Aushängeschild der Studio Ghibli und wird als Meisterhandwerker der Ästhetik hinter den Filmen von Fans verehrt. Unter den deutschen Fans erhält er einen besonderes Nostalgie-Platz, da er bereits 1974 als Scene-Designer in den bekannten Kultklassiker Heidi mitwirkte. Heute ist Miyasaki 85 Jahre alt und feierte mit Der Junge und der Reihe 2023 vermutlich seinen letzten Film. Seine Philosophie und die Bedingung, alle Filme noch bis heute per Hand zu zeichnen, bleibt dabei für den Wert für Studio Ghibli unermesslich.
Die Ästhetik and Schönheit
Unvergesslich und von Einzigartigkeit zeichnet sich Studio Ghibli insbesondere durch eine Sache aus – seine Kunst. Der Zeichenstyl des Studios ist dabei wie kein anderer in der Welt. Handgefertigt von Hayao Miyazaki selbst, was nicht untypisch für japanische Meisterwerke ist. Der Kunst- und Zeichenstil prägt sich durch eine faszinierende Schönheit aus. Personen und Lebewesen sind dabei proportional Naturgemäß erstellt, was ungewöhnlich für die Anime-Welt ist. Miyasakis Figuren sind sanft und ohne klassischen Schönheitsideale. Dafür aber von innerlicher Vielfältigkeit. Der Animations- und Bewegungsstil ist dabei so natürlich und gleichzeitig detailreich geschmeidig. Alles fasst sich ruhig und fließend ineinander zusammen. Die Bewegungen sind geschmeidig und fast schwerelos. Fließend, frei, unreal und gleichzeitig natürlich.
Besonders bekannt ist dabei die Hintergrund und Weltengestaltung der Ghibli-Filme. Sie übertreffen sich beinahe gegenseitig mit einem Reichtum an Details. Jedes Haus, jede Landschaft ist vollends bis in die Kleinigkeiten Detailvoll ausgearbeitet. Dabei steckt in jedem kleinen Stück zusätzlich viel Liebe, Realitätsgenauigkeit oder auch Fantasy. Die Natur und ihre Gestaltung ist dabei ein besonderes Herzensstück von Miyazaki. Jeglicher Ausschnitt von einem Wald, ist nur noch mit Bäumen – sondern allen erdenklichen Fauna und Farnen gefüllt. Blumen und Pflanzen sind vollends gezeichnet und verziert, als wäre jedes Blütenblatt einzeln erstellt worden. Zusätzlich fließen immense Kreativität und Fantasy in vielen Stücken mit ein, mit Gegenständen und Szenerien, die man sich kaum selbst ausdenken könnte. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Filme von Studio Ghibli wahre Meisterwerke sind, die bis in den letzten Winkel mit Feinheit ausgefüllt worden sind. Gleichzeitig bieten die Szenerien auch Ruhe und Ästhetik. Sie sind friedlich und beruhigend schön anzusehen. Es gibt keine abrupte Unterbrechung oder Störung, sondern ein feines ineinanderfließen, sowohl von Schatten und Licht, als von Farbkompositionen.
Ein weiteres besonderes Merkmal ist die faszinierende Darstellung von Essen, Lebensmitteln, Wasser und Natur. Gerade Ghibli-Filme sind für ihre ästhetische Darstellungen von Essen und Gerichten bekannt – und werden daher besonders gerne nachgekocht.
Alles gleitet in den Filmen perfekt ineinander und ist doch gleichzeitig real dargestellt. Ein Grund dafür, warum die Filme immer wieder gerne gesehen werden oder von vielen mit Nostalgie zusammengesetzt wird. Ein weitere Attribut, welches die Schönheit der Filme zuletzt abrundet, ist die Auswahl der Filmmusik. Dafür arbeitet Miyazaki oft mit bekannten Künstlern aus Japan zusammen, die eine klassische eigene Dynamik des Landes mitbringen. Der Hauptträger der Filmmusik der Ghibli Filme ist allerdings Joe Hisaishi, welcher durch eigene Kompositionen und Orchester-Musik jede Szenerien der Filme final abrundet. Seine Musik ist mittlerweile weltbekannt und in allen großen preisgekrönten Ghibli-Filmen vertreten und beliebt. Die bekannteste Ausgabe von ihm entstand mit der Zusammenarbeit des Royal Philharmonic Orchestra zur Neuauflage sämtlicher großen Studio-Ghibli-Film-Musikstücke.
Botschaften und Inhalte
Oftmals werden gerade Filme und Serien aus dem Genre des Anime als etwas für Kinder abgestempelt. Dass dies bei Studio Ghibli nur bedingt der Fall ist, zeigt die Tiefe mit denen manche Filme umgehen und ansprechen. Da Miyazaki vorerst die Filme für Kinder erstellt hat, ist es kein Wunder, dass gerade sie oftmals in den Filmen angesprochen werden. Dennoch überzeugen sie alle in ihrer Philosophie, dass sie alle Altersgruppen ansprechen. Während Filme wie Mein Nachbar Totoro, Ponyo oder Das Königreich der Katzen sich eher ein an jüngeres Publikum richten, sprechen Filme wie Die letzten Glühwürmchen, Tränen der Erinnerung oder Stimme des Herzens eher ein älteres Publikum an. Insbesondere der Film Die letzten Glühwürmchen (火垂るの墓 Hotaru no Haka, 1988) – im englischen Grave oft he Fireflyes spricht über eine traurige, fast schon brutale Welt im zweiten Weltkrieg, bei denen die vierjährige Schwerster des Hauptprotagonisten an den Folgen des Krieges während des Filmes verhungert. Der Film geht als einer der emotionalsten und tieftraurigsten aus dem Haus von Studio Ghibli.
Negative Elemente
Im generellen schwingt in Miyazaki Filmen oft die thematischen Inhalte von Trauer, Tod und Krieg mit, was überwiegend auch aus seinen eigenen Lebenserfahrungen stammt. Gerade daher erstellte er die Filme zuerst an Kinder, um ihnen in einer frohen und heilen Welt, dennoch das Thema von Verlust, Schmerz, Trauer, Tod und Krieg näher zu bringen.
In dem bekanntesten Film, welcher an Kinder gerichtet ist – Mein Nachbar Totoro, erleben zwei junge Mädchen eine bunte Welt mit Fabelwesen, während ihre eigene Mutter wegen einer Lungenkrankheit von ihnen getrennt wurde. In dem Film Wie der Wind sich hebt verstirbt die Ehefrau des Hauptprotagonisten sogar an den Folgen einer Lungenkrankheit. Genauso in dem zuletzt erschienen Film Der Junge und der Reiher, indem der junge Hauptprotagonist Mahito seine Mutter bei einem Brand verlor. Geschichten von Verlust und Tod einer geliebten Person klingen in den Ghibli Filmen häufig an und bieten gerade Betroffene Halt und Zuversicht. Die tiefe Traurigkeit wird oftmals in Akzeptanz, Mut und Stärke umgewandelt, die die vielseitigen Charaktere der Filme tiefbewegend auszeichnen.
Ein weiteres wiederkehrendes Element ist das Thema von Krieg. Als jemand der selbst im Krieg aufgewachsen ist baut Miyazaki häufig die Elemente dieser Tragik passiv oder aktiv in seine Filme mit ein. Wie bereits erwähnt spielt der Film Die letzten Glühwürmchen im zweiten Weltkrieg selbst, doch auch der Film Wie der Wind sich hebt handelt vom zweiten Weltkrieg und den Bau von Zerstörungsbomber. Der aktuell letzte Film Der Junge und der Reiher spielt während des Pazifikkrieges, wobei der Vater der Hauptfigur Flugzeugteile dafür herstellt. Auch in seinen Fantasy-Filmen taucht das Element des Krieges häufig auf. So kämpfen in Prinzessin Monoko zwei Länder und nicht zuletzt der Waldgeist gegen die Menschheit. In Das Wandelnde Schloss spielt ein fiktiver Krieg mehrere Länder passiv im Hintergrund mit und beeinflusst die Geschehnisse der Hauptfiguren Sophie und Hauru. Krieg wird von Miyazaki dabei nicht als aktiver Ort von Brutalität, Zerstörung und Kampfgefechte beschrieben. Bei ihm spielt Krieg im Hintergrund – teilweise fast unentdeckt - mit, allerdings so mächtig, dass er alles in dem Leben der Menschen verändert. Dies ist eine weitere seiner Herangehensweise Kinder diese Welt und seine Geschehnisse zu erklären und gleichzeitig das Erwachsenen Publikum an dessen Grausamkeit, Scherz und Zerstörung zu erinnern.
Nicht zuletzt greift Miyazaki in seinen Filmen häufig und sehr oft die Frevel der Menschheit auf. Nicht nur um Krieg, sondern auch in Form von Gier, Macht, Kapitalismus, Waffen und Zerstörung der Natur. In einer der bekanntesten Filme, Chihiros Reise ins Zauberland, werden die Eltern der Hauptfigur Chihiro aufgrund ihrer Gier nach dem Essen, welches eigentlich für die Götter und Geister bestimmt war – in Schweine verwandelt (sie werden am Ende des Filmes wieder zurückverwandelt). Gleich mehrere Filme wie Arrietty und Prinzessin Monoko sprechen die Zerstörung der Natur durch den Menschen an. Ein besonderes Werk ist dabei der Film Nausicaä, der noch vor der Gründung des Studios in Zusammenarbeit mit dem WWF hergestellt wurde. Er zeigt eine dystopische Welt, in der die Natur von den Menschen vollkommen ausgelöscht worden ist und die Figuren nur noch in einer wundersamen Welt aus Pilzen und Schimmelpflanzen leben. In Pom Poko kämpfen eine kleine Gruppe Tanukis (japanische Dachshunde) gegen die Ausrottung und Zerstörung ihres Waldes und Heimat durch die Ausweitung der Siedlung der Menschen an. Am Ende verlieren sie den Kampf gegen die Schaufelbagger und müssen sich verborgen in die Welt der Menschen eingliedern. Die Natur und ihre Erhaltung ist für Miyazaki das wichtigste, daher geht er in den Filmen häufig und liebevoll damit ein, diese zu bewahren. Die wilde Zerstörungswut des Menschen, seine brutale Art und Weise alles zu verlangen, zu Erobern und zu verderben ist dabei häufig die Antagonist-Figur der Filme.
Positive Elemente
Als eines der wiederkehrenden Elemente und eine große Faszination und Liebe von Miyazaki sind – die Flugzeuge und das Fliegen. In Das Schloss im Himmel toben Flugzeuge über den Himmel, in Kikis kleiner Lieferservice spielen ihr fliegender Besen, ein Zeppelin und ein Junge mit dem Traum vom Fliegen eine Rolle. In Proco Rosso erobert ein Schwein in seinen Flieger die Herzen der Zuschauer mit einer Hommage an die italienischen Flugzeughersteller und in das Wandelnde Schloss hat der männliche Hauptcharacter selbst Flügel oder kämpft gegen die Flugzeuge des Bösen. Besonders präsent, wenn nicht sogar allumfassend zeigt sich Miyazaki Liebe zu Flugzeugen in dem Film Wie der Wind sich hebt (風立ちぬ Kaze Tachinu, 2013).
Es ist ein Portrait und Geschichte des Flugzeugkonstrukteurs Jiro Horiksohi, dessen großer Traum vom Fliegen durch den realen italienischen Flugzeugbauer Gianni Caproni beflügelt wird. Er erzählt seine Lebensgeschichte und wie er seinen Traum als Flugzeugkonstrukteurs schließlich verwirklicht. Der Film endet damit, wie die anfängliche traumhaften Flugzeuge in all ihrer Schönheit – letztendlich von dem Menschen zum Krieg missbraucht wurden.
Nicht zuletzt ist das allumfassende und allpräsente Element wirklich ALLER Filme – die Liebe. Jeder Film und jede Figur trägt das Element von Liebe, Mut und Hoffnung in sich. Die Lieben ist am Ende der Gewinner, egal welchen Schmerz, Verlust und Abenteuer die Figuren vorher überstehen mussten. Die Liebe zeigt sich zudem nicht nur durch die Liebe zweier Lieben zueinander, auch die Liebe von Geschwistern, die Liebe von tiefer Freundschaft (Platonisch) und die Liebe von Müttern zu ihren Kindern. Besonders hervorgeheben wird die Liebe in den Filmen Erinnerungen an Marnie, indem die Hauptfigur Anna ihre Großmutter als junges Mädchen aus der
Vergangenheit trifft und sich mit ihr anfreundet. Auch in Der Junge und der Reiher findet Mahito seine Mutter als jüngere Form aus der Vergangenheit wieder, die ihm am Schluss das Leben rettet.
Die absolute Liebe zweiter Menschen zueinander zeigen hingegen besonders schön die Figuren aus Der Mohnblumenberg mit Umi und Shun, Sheeta und Pazu aus Das Schloss im Himmel, San und Ashitaka aus Prinzessin Mononoke, Chihiro und Haku aus Chihiros Reise ins Zauberland und natürlich Sophie und Hauru aus Das wandelnde Schloss. Sie alle gehen füreinander über die Grenzen ihrer eigenen Welt hinaus. Die Liebe zwischen ihnen wird dabei nicht in Form von Küssen oder ähnliches gezeigt - sondern durch die Verbundenheit, den Mut zueinander und füreinander, durch Handlungen und unerschütterlicher Kraft alles Böse gemeinsam zu überstehen und zu besiegen.
Die starken Frauen
Unübertroffen und von wahrer Einzighaftigkeit ist die Darstellung von weiblichen Figuren in den Studio Ghibli Filmen. Nicht nur überbieten sie damit die klischeehaften Rollenfiguren aus Hollywoodfilmen, sondern auch strake Vorurteile, die man den Figuren aus animierten japanischen Werken häufig vorbringt. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass gerade in den Anime-Serien Frauenfiguren häufig übersexualisiert werden. Knappe Röcke, weite Ausschnitte, sexuelle Geräusche und das Aufblitzen von Höschen ist in vielen Animes des Genre von Shonen, Shojo/Shoujo und Isekai stark vertreten und zunehmend unbeliebter – insbesondere bei der weiblichen Zuschauerschaft. Mittlerweile wandelt sich auch die Anime-Kultur davon ab und baut auf starke weibliche Rolle. Die Vorurteile von übersexualisierten Figuren lassen sich dabei nicht in allen Anime-Genres wiederfinden!
Gerade hier wird aber Hayao Miyazaki gerade von den Mitgliedern der Anime-Kultur gefeiert. „Jemand der niemals Frauen in den Animes sexualisiert hat“ wird auf Social Media häufig über ihn gepostet. Und tatsächlich hebt sich Miyazaki mit seiner Gestaltung von weiblichen Figuren und Charaktere von der breiten Masse ab.
Nicht nur vom Äußerlichen, sondern vielmehr durch ihre Art und Eigenschaften zeichnet Ghibli beeindruckende und inspirierende Heldinnen, Prinzessinnen, Kämpferinnen – Frauen als auch Mädchen. Jede der Figuren ist dabei erfüllt von Eigenschaften wie Mut und Tapferkeit, aber auch Güte, dem Glauben an das Gute, Beschützerinstinkte, Liebe, Neugier und Freundschaft.
Einer der inspirierenden und schönsten Figuren sind dabei die Rollen der Mütter, die an so vielen Stellen in den Ghibli Filmen in Erscheinung treten – oftmals auch im Hintergrund. Am beeindruckendsten sind dabei die Mutterfiguren aus dem Film Ponyo. Zum einen gibt es die Mutter des Jungen Soske, Lisa, welche überwiegend alleinerziehen ist, da Soskes Vater zu See unterwegs ist. Lisa ist dynamisch, energisch, aber mutig und führsorglich. Sie fährt mit dem Auto durch einen tobenden Tsunami um die beiden Kinder in Sicherheit zu bringen und nimmt die kleine Ponyo mit Liebe und Zuneigung in die Familie auf. Sie bringt ihnen bei gut und sorgsam auf einander aufzupassen sowie Liebe und Hilfsbereitschaft einander zu beweisen. Aus dem gleichen Film stammt einer der schönsten weiblichen Figuren von Miyazaki: Ponyos Mutter, die Göttin der Meere selbst, Granmanmare (im englischen gesprochen von Cate Blanchett). Vor ihr verneigt sich nicht nur das Meer, sondern auch Ponyos starrsinniger und böser Vater selbst. Nicht zuletzt lehrt sich die Kinder am Ende des Filmes in einer sanften Probe wie wichtig Vertrauten und unabdingbare Liebe zueinander ist.
Die überwiegenden Filme aus dem Haus von Studio Ghibli haben zudem eine weibliche Protagonistin die stehts als Heldin im Film auftritt. Ghibli ehrt jeder dieser Frauen mit einem starken Herzen, einen komplexen und wunderschönen Character-Aufbau – mit Fehler, Stärken, Schwäche, Stille und Stille. Diese Frauen sind nicht als Unterstützung und lediglich als love-interests für die männliche Figur. Sie sind eigenständig, frei und mit dem starken Mut, die Welt um sie herum zu erkunden und zu verändern. Sie erobern und bestimmen den Plot des Filmes, gefasst in großer Stärke – als auch sanfter Verletzlichkeit.
Figuren wie Kiki aus Kiki's Delivery Service oder die Kinder Satsuki und Mei in My Neighbor Totoro verkörpern eine kindliche, aber dennoch tiefgreifende Form von Selbstständigkeit und innerer Stärke. Die jungen Hauptfiguren der beiden Geschichten zeichnen sich mit ihren starken Willen und einen mutigen Herzens aus. Ebenso zeigen Chihiro aus Spirited Away und Sophie aus Howl's Moving Castle, wie persönliche Entwicklung durch Mut, Zweifel und Verantwortung geprägt ist. Besonders eindrucksvoll sind auch Nausicaä aus Nausicaä of the Valley of the Wind und San aus Princess Mononoke, die als moralisch komplexe Figuren zwischen Natur, Gesellschaft und Konflikt vermitteln.
Sie sind vielmehr die Kriegerinnen von Miyazaki, die mit Waffen und Kampfeswillen gegen die Zerstörung ihrer Welt stehen. All diese Charaktere eint, dass sie mit einem starken Herzen, vielschichtigen Persönlichkeiten und einer Balance aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit ausgestattet sind. Ihre Entwicklung verläuft vielschichtig durch die gesamten Filme.
Frauen sind in Miyazakis Filmen die Trägerinnen der Geschichte und überwiegend die Hauptrolle. Jede von ihnen ist einzigartig gestaltet und aufgebaut und lehrt den Zuschauer auf ihre eigene Art und Weise die Geschicke der Welt. Miyazaki hat es mit seinen weiblichen Figuren geschafft Rollen zu entwickeln, die nicht nur neben den männlichen Haupt Character stehen, übersexualisiert oder unbeliebt bei dem Zuschauer sind. Sie sind Stolz, Stark, Unabhängig und Mutig. Jede auf ihre Art und Weise.
by Vivien Petri
