Heated Rivalry: Viel mehr als nur „Sex sells“

Die Serie kam aus dem Nichts, flutet seit Wochen das Internet und katapultiert zuvor unbekannte Schauspieler auf die große Bühne bei den Golden Globes: Heated Rivalry. Was sich anhört wie nur eine von vielen sexy „Young Adult“- und „Sports-Romance“-Storys, ist ein weiterer Meilenstein für die queere Community – vor allem im Profisport.

 

Aber first things first: eine kurze Zusammenfassung,

worüber ich hier überhaupt spreche:

Heated Rivalry ist eine kanadische Sport-/Romantik-

Fernsehserie von Jacob Tierney, basierend auf der

„Game Changers“-Romanreihe von Rachel Reid.

Erzählt wird die Beziehung zwischen zwei

professionellen Eishockeyspielern: Shane Hollander

(Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie).

Auf dem Eis sind die beiden erbitterte Rivalen. Hinter

den Kulissen beginnen sie jedoch eine geheime und

sehr hitzige Affäre. Was als rein körperlich beginnt,

entwickelt sich über Jahre hinweg zu echten

Gefühlen. Beide kämpfen mit Angst vor der

Öffentlichkeit, Rückschlägen in ihrer Karriere und

ihren eigenen Unsicherheiten. Als jedoch Scott

Hunter, ein weiterer queerer Eishockeyspieler,

überraschend den Mut zum Coming-out hat, müssen

sich Shane und Ilya entscheiden. Folgen sie Scotts

Beispiel und stehen zu sich selbst, oder leben sie

weiter in einer Welt aus Lügen und Geheimnissen?

Ihre Weltpremiere feierte die Show am 28. November 2025 auf dem Streamingdienst Crave in Kanada. Aktuell läuft sie in den USA bereits auf HBO Max und wird dort auch in Deutschland ab dem 6. Februar zu sehen sein. Die erste Staffel umfasst 6 Episoden mit einer Länge von ca. 40–55 Minuten pro Folge. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt.

Queere Sportler = extreme Meinungen

Heated Rivalry polarisiert im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt gefühlt nur extreme Meinungen im Netz. Laut Angaben von HBO Max, ist die Serie eines der meistgesehenen Nicht-Animationsformate auf der Plattform und erhält überwiegend positive Kritiken. Vor allem würden die Chemie der Schauspieler, die Darstellung queerer Liebe und die emotionale Tiefe gelobt.

In der Bewegtbilddatenbank IMDb (Internet Movie Database) bekam die erste Staffel von Nutzerinnen und Nutzern einen Topwert von über 9 (von 10); die Episoden fünf und sechs sogar 9,9 – das sind unglaubliche Werte, die die Serie in eine Sphäre mit Produktionen wie „Breaking Bad“, „Chernobyl“, „The Wire“ oder „Better Call Saul“ katapultieren.

Kritik gibt es aber auch. Die Serie verharmlose homophobe Mechanismen in der Gesellschaft, wärme unkritisch toxische Männlichkeit auf und feiere fast schon schwulen Selbsthass, indem sie die Heimlichtuerei der Sportler romantisiere.

Das sehe ich nicht so. Ich halte Heated Rivalry, neben dem ganzen „Eye-Candy“-Faktor, für eine Serie mit dem Potenzial einen Unterschied zu machen.

Schwul und Profi-Athlet – ein NOGO

Stell dir vor: Du trainierst dein ganzes Leben dafür, Profisportler zu werden. Du gibst deine Kindheit und Jugend auf, kämpfst dich aus Verletzungspausen zurück und gehörst trotzdem nie dazu. Weil du dich verstecken musst, aufpassen musst, was du sagst, aufpassen musst, wie du fühlst und wie du lebst. Klingt wie ein Alptraum.

Ein Alptraum, der für homosexuelle Profisportler die Realität ist, in der sie leben. Ein Outing kommt für die meisten erst infrage, wenn sie aus dem aktiven Sport ausscheiden – wenn überhaupt.

Zu groß sei die Angst davor, dass Fans sich abwenden könnten, Sponsoren abspringen oder Vereine das Interesse verlieren. Woher ich all diese Informationen nehme? Vereinzelte Ex-Profis haben eben doch den Mut, offen über ihre Homosexualität zu sprechen, und berichten davon in Interviews. In Deutschland sind die prominentesten die beiden ehemaligen Profifußballer Markus Urban und Thomas Hitzlsperger.

Eishockey ist da keine Ausnahme. Auch in diesem Sport gibt es diese unzähligen „closeted Athletes“, das sagt zumindest Jesse Kortuem, ein ehemaliger Hockeyspieler aus Minnesota. Er hatte sich vergangene Woche öffentlich als schwuler Mann geoutet und verwies dabei auf die TV-Serie Heated Rivalry als entscheidende Inspiration. Kortuem beschreibt, jahrelang ein Doppelleben geführt zu haben, und weiß, dass es andere auch tun. Jetzt wolle er endlich offen sein.

@pinknews A real-life hockey player has publicly come out as gay and credited the hit series ‘Heated Rivalry’ with helping him take that step, saying the show’s portrayal of queer love in the sport gave him courage to tell his own story. Jesse Kortuem, who has played defenseman and center in several leagues, wrote that he had long struggled to reconcile his sexuality with his hockey career, and shared his story as a gay hockey player in a post to his Facebook on 13 January. "I know many closeted and gay men in the hockey world are being hit hard by Heated Rivalry's success," Kortuem told Out Magazine in a 14 January statement. "Never in my life did I think something so positive and loving could come from such a masculine sport. I've struggled the last few weeks to put these emotions into words, fearing the impact on team dynamics," Kortuem said. #HeatedRivalry #LGBTQIA #hockey #shanehollander #ConnorStorrie ♬ suara asli - hitsonglyrics_1

Markiert die Serie vielleicht einen turning Point?

Kortuems Coming-out ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass die Serie mit Tabus bricht und Maßstäbe neu setzt. Und es scheint, als würden auch erste Veränderungen im aktiven Profisport eintreten. Noch 2023 bannte die National Hockey League (NHL), die nationale Eishockey-Liga Nordamerikas, Jerseys mit Prideflaggen während des Aufwärmens. Das Tragen von Symbolen dieser Art sei „eine Ablenkung“.

Heute setzen sich große US-amerikanische und kanadische Vereine für mehr Empowerment und Repräsentation der queeren Community im Hockey-Sport ein. So zum Beispiel die Ottawa Senators, die mit den Einnahmen von verkauften Jerseys mit den Namen “Hollander” und “Rozanov” eine Amateur-Liga für queere Hockeyspieler unterstützen.

Gleichzeitig berichtet Hauptdarsteller Hudson Williams (Shane Hollander), es seien online viele Footballer, Basketballspieler und eben auch professionelle Hockeyspieler auf ihn zugekommen. Williams berichtet davon, dass diese Sportler unheimlich dankbar dafür sind, zum ersten mal gesehen und Repräsentiert worden zu sein. Es gäbe ihnen das Gefühl, dass sich etwas verändere.

Let’s be real: Zu glauben, dass 6 Episoden Heated Rivalry allein ausreichen, dass plötzlich aktive Sportler die Deckung aufgeben und offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist naiv. So funktioniert das Kommentar von Selina Groß System nicht. Dafür ist gerade Eishockey, oder generell Sport bei Männern nicht offen und tolerant genug. Aber wenn die beginnende Veränderung der NHL nicht abreißt und sich mehr Ligen daran orientieren, ist da vielleicht noch etwas Hoffnung für die Sportler „inside the closet“. Wir sehen sie (noch) nicht, aber es gibt sie.

by Selina Groß

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